Kornrade

Agrostemma githago Nelkengewächse

Bestimmungsmerkmale:
Die Kornrade hat rote bis purpurfarbene (seltener weiße) Blüten mit 5 Blü-tenblättern. Unter der Blüte sitzt ein bauchiger Kelch dessen längliche Zipfel die Blüte um mehr als das doppelte überragen. Der Stängel ist filzig behaart und hat linealförmige Blätter, die sich paarweise gegenüberstehen. Die Pflanze wird 30 - 100 cm hoch und blüht von Juni - Juli.

Standort und Verbreitung:
Die Kornrade ist in letzter Zeit sehr selten geworden.  Sie war auf Getreideäckern zu finden und wurde durch Unkrautvernichtungsmittel und Saatgutreinigung so stark dezimiert, dass sie nahezu ausgestorben ist.
Sie hat ihre Heimat wahrscheinlich im östlichen Mittelmeergebiet und wurde durch den Getreideanbau in ganz Europa verbreitet. Samen der Kornrade werden in Gärtnereien angeboten, daher ist sie hin und wieder als Zierpflanze anzutreffen.

Giftstoffe, Wirkung und Symptome:
Die Kornrade enthält vorwiegend in den Samen Triterpensaponine. Die Vergiftungssymptome sind Kratzen in Mund und Rachen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kreislaufstörungen. In schweren Fällen kann sogar der Tod durch Atemlähmung erfolgen.

Tiergiftig:
Kornrade ist giftig für Pferde, Rinder und Kühe, vor allem Kälber, Schweine sowie für Hühner und Vögel. Beim Rind zeigt sich eine Vergiftung durch Fressunlust, Speichelfluss, kein Wiederkäuen, Erbrechen, Magen- Darmbeschwerden. Die Körpertemperatur sinkt ab, es kommt zu Lähmungen und Herzschwäche. Tödliche Dosis für Schweine ist 2 - 5 g Samen pro Kilogramm Körpergewicht; Hühner sind nicht so empfindlich, hier liegt die tödliche Dosis bei 80g Samen pro Kilogramm Körpergewicht. Auf konventionell wirtschaftenden Betrieben ist eine Vergiftung nahezu ausgeschlossen, nicht so unbedingt auf ökologischen Betrieben. Die Konrade ist durch Unkrautvernichtungsmittel nahezu ausgerottet worden, kann aber auf ökologisch bewirtschafteten Flächen wieder zu nehmen.

Heilwirkung und Medizinische Anwendung:
Die Pflanze wurde in der Volksheilkunde bei Magenkatarrhen und Hautleiden angewandt, was allerdings oft zu Vergiftungen führte. Heute findet sie keine medizinische Anwendung mehr.

Name:
Mit Rade wurde die Pflanze schon im Mittelalter bezeichnet. Weitere Namen waren Schwarzer Ackerkümmel, Rote Kornblume, Roggenrose sowie Kornnelke. All diese Namen weisen darauf hin, dass die Kornrade eine Ackerblume ist. Ihrer Giftwirkung wegen wurde sie aber auch Höllenkorn genannt. Der Gattungsname Agrostemma setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort agros für Acker und stemma für Kranz, ein Hinweis, dass die Pflanze zum Winden von Kränzen benutzt wurde. Der Artname githago weist auf die Ähnlichkeit der Kornradensamen mit denen des Schwarzkümmels hin, der den griechischen Namen gith trug.

Geschichtliches:
Früher, als die Kornraden noch ein häufiges Ackerunkraut waren, kam es durch Vermischung mit dem Korn nicht selten zu Vergiftungen. Sie diente im Mittelalter aber auch als Arzneipflanze. Hieronymus Bock erwähnte sie, wie auch Adam Lonitzer, der da schreibt: "Raden in ein Glaß gethan / mit Wein gesotten / und den getruncken / gut denjenigen / so schwerlich harnen. Raden in ein Tüchlein gethan / und für die Nase gehalten / benimmt den Schnupffen und Fluß des Haupts. Raden mit Essig gesotten / im Mund gehalten / benimmt das Zahnwehe." In manchen Gegenden mischte die Bauern auch beim destillieren von Korn-branntwein die Kornradensamen dazu, da  auf diese Weise mehr Branntwein gewonnen wurde, als aus reinem Roggen.


Die Kornrade ist geschützt!