Den Apotheken-Garten züchten:

Das gehört unbedingt dazu

Schon Sebastian Kneipp wusste: Die Natur ist die beste Apotheke. Der Mediziner befasste sich jahrelang mit der angewandten Pflanzenheilkunde. Mit seinen individuellen Mischungen wollte Kneipp Krankheiten und Beschwerden lindern und Symptomen vorbeugen. Mit den richtigen Pflanzen wird auch der eigene Garten zur natürlichen Apotheke. 

Die Vorbereitungen: Licht, Nährstoffe und Co. – so wächst alles besser

Damit die natürliche Apotheke prächtig wächst und gedeiht, muss der ideale Standort gefunden werden. Nicht alle Pflanzen lieben beispielsweise Sonne oder mögen einen besonders feuchten Boden. Jede Heilpflanze hat individuelle Standortbedürfnisse und diese gilt es, für maximales Wachstum und Ertrag, zu erfüllen.

Wichtig für den Pflanzerfolg: die Bodenbeschaffenheit. Einige Heilpflanzen haben einen geringen, andere einen mittleren oder besonders hohen Nährstoffbedarf. Thymian beispielsweise ist ein sogenannter „Schwachzehrer“ und braucht nur wenig Nährstoffzufuhr.

Wer sich keine Bachblüten aus der Apotheke besorgen, sondern die Rezeptur selbst zusammenstellen möchte, braucht dafür u. a. Clematis. Die Kletterpflanze ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat auch wenig Ansprüche. Sie gedeiht auch bei Trockenheit und muss nur bei längeren Dürreperioden kräftig gewässert werden. Ansonsten sucht sie sich ihren Weg durch die Rankaktivität selbst und schlängelt sich an Bäumen entlang oder es optimal für ein Rankgitter.

Kaum Platz? Die Kräuterspirale als kompakter Apotheken-Garten

Wer nur wenig Platz zur Verfügung hat und echte Kamille mit anderen Heilpflanzen anbauen möchte, sollte über eine Kräuterspirale nachdenken. Sie ist nicht nur platzsparend, sondern spiegelt verschiedene Standort-Zonen wider. Von schattig bis sonnig, von trockenem bis feuchtem Boden – alles lässt sich auf der mehrstufigen Spirale anbauen.

Damit der Boden optimal für das Pflanzengeschehen vorbereitet ist, hilft ein natürliches Düngemittel: Kaffeepulver. Es dient nicht nur zur Auflockerung des Bodens, sondern ist auch bewährtes Hausmittel gegen Schneckenbefall im Garten.

Diese Pflanzen als Basis für die natürliche Apotheke

Die Heilmittel aus der Natur werden immer häufiger genutzt, um beispielsweise Reizdarm-Syndrom und andere Symptomatiken zu lindern. Linderung versprechen beispielsweise Pfefferminzöl oder Kräutertees aus Kümmel, Fenchel sowie Anis.

Kamille sollte in keiner Garten-Apotheke fehlen, denn sie lindert zahlreiche Symptomatiken und Unwohlsein. Als Kompresse oder zur Inhalation lindert sie Magen-Darm-Problemen oder unterstützt den Heilungsprozess bei Atemwegserkrankungen. Die Kamillenpflanze sieht durch ihre leuchtenden weiß-gelben Blüten nicht nur schön aus, sondern ist auch recht pflegeleicht. Optimal für das Wachstum ist ein mäßig-feuchter Standort mit viel Sonne im Garten.

Salbei ist eine Heilpflanze, die vor allem bei Halsschmerzen ein bewährtes Hausmittel ist. Auch Insektenstiche werden durch den Extrakt der Pflanze gelindert. Für die natürliche Zahnpflege ist Salbei ebenfalls bekannt, denn damit wird wundes Zahnfleisch desinfiziert und der Heilungsprozess gefördert. Im Garten benötigt die Pflanze vor allem einen möglichst sonnigen und trockenen Platz. Besonders gut gedeiht sie aufgrund des mediterranen Ursprunges auf Sandböden.

Lavendel setzt mit seinen lilafarbenen Blüten nicht nur farbliche Akzente im Garten, sondern verströmt zudem einen herrlichen Duft. Die Pflanze wird vor allem zur Entspannung und bei Schlafproblemen eingesetzt. Am wohlsten fühlt sich Lavendel an sonnigen Plätzen mit trockenen und kalkangereicherten Böden.

Thymian ist nicht nur ein erstklassiges Küchengewürz, sondern bietet auch viel Heilpotenzial. Bei Erkältungskrankheiten, Halsschmerzen sowie Beschwerden im Magen wirkt die kleinblättrige Pflanze wohltuend und lindernd. Wer Thymian im Apotheken-Garten anbauen möchte, sollte der Pflanze einen sonnigen Standort mit lockerem Boden und Windschutz gönnen.

Rosmarin ist wie Thymian auch als Küchengewürz bekannt, vermag aber auch bei Erkältungskrankheiten zu heilen. Beide Pflanzen haben nicht nur ähnlich heilende Wirkung, sondern auch gleiche Standortvorlieben. Damit eignen sich Thymian und Rosmarin ideal, um sie im Apotheken-Garten zusammen an einem sonnigen Plätzchen einzupflanzen.

Zitronenmelisse wirkt erfrischend und macht sich auch in Tees hervorragend. Dort trägt sie zur Kopfschmerzlinderung bei oder wird bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Sie ist außerdem ideal für die natürliche Behandlung bei Lippenherpes.

Tipp: So wird der natürliche Herpes-Balsam hergestellt

Um aus der Zitronenmelisse einen natürlichen Balsam gegen Herpes herzustellen, ist nicht viel notwendig. Die Blätter der Pflanze werden zunächst ausgepresst und mit einem gleichen Anteil Bienenwachs vermischt. Hinzu kommt ca. ein Sechstel des Ölgewichtes in Form von Shea- oder Kakaobutter. Sind alle Zutaten vermischt, können sie in einem Cremetiegel aufbewahrt werden. Dieser sollte gut verschlossen sein. Eine Lagerung im Kühlschrank ist nicht notwendig, da sich die Butter sonst verfestigt und der Balsam weniger streichzart ist. Länger als ein Jahr sollte der natürliche Balsam gegen Herpes aber nicht aufbewahrt werden.

Johanniskraut ist aus einer Garten-Apotheke nicht wegzudenken. Es hilft bei der Entspannung und wird zur Linderung von Angstzuständen oder Depressionserscheinungen angewandt. Die Pflanze liebt Halbschatten und Sonne. Damit sie prächtig wächst, sollte der Boden stets feucht gehalten werden und mit ausreichend Nährstoffen angereichert sein.

Die Pfefferminze ist nicht nur eine köstliche natürliche Auffrischung, sondern regt den Stoffwechsel an. Außerdem werden Pfefferminze abwehrstärkende Eigenschaften nachgesagt. Die Pflanze verbreitet sich schnell, sodass ein Topf für sie ideal ist. Er kann am Rande des Beets oder auf Terrasse und Balkon einen leicht sonnigen Platz finden.

Ingwer zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen und wird vor allem in der fernöstlichen Medizin schon seit Jahrhunderten eingesetzt. Die Knollenpflanze fördert nicht nur die Verdauung, sondern stärkt auch das Immunsystem und sorgt für einen ausgewogenen Stoffwechsel. Ganz egal ob roh zum direkten Verzehr, in einem Shot oder wohltuenden Tee – die Superknolle ist vielseitig einsetzbar.

Tipp: So wird Inger leicht vermehrt

Eine Ingwerwurzel reicht, um daraus viele weitere wohltuende Sprösslinge zu züchten. Die ursprüngliche Wurzel dient als Keimling und wird zunächst in lauwarmes Wasser eingelegt. Im Anschluss wird sie in ein Pflanzgefäß mit besonders nährstoffreicher Erde gesetzt. Wichtig ist nun: immer auf ausreichend Feuchtigkeit achten, damit die Sprösslinge weiter keimen. Optimaler Standort dafür: ein warmer Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung.

Haben sich die ersten Sprösslinge gezeigt, kann die Knolle in ein größeres Gefäß mit mehr Sonneneinstrahlung gegeben werden. Wichtig: Die Sonnenzufuhr sollte nur schrittweise erhöht werden. Ist die Wurzel zur Ernte bereit (das kann zu Beginn mehrere Monate dauern), wird ein großes Stück geschnitten. Der Rest der Wurzel verbleibt im Boden und kann neue Triebe ausbringen.

Bilder

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