Natürliche Mittel gegen Kopfläuse auf dem Prüfstand

Wenn sich das Kind ununterbrochen am Kopf kratzt, ist es vermutlich mal wieder soweit: Läusealarm! Keine Frage – um die kleinen Krabbler rasch wieder loszuwerden ist schnelle Hilfe gefragt. Dabei suchen viele Menschen nach Alternativen zu chemischen Mitteln, die schonend aber gleichzeitig effektiv sind. Welche natürlichen Mittel gegen Kopfläuse gibt es und wie wirksam sind sie wirklich?

Viele Läusemittel wirken physikalisch

Alle Produkte aus der Apotheke bekämpfen Kopfläuse chemisch? Falsch! Es gibt beispielsweise auch Läusemittel auf Silikonölbasis, die ein physikalisches Wirkprinzip haben. Im Gegensatz zu Produkten mit neurotoxischer Wirkung enthalten sie kein Nervengift, dass die Läuse lähmt und abtötet. Vielmehr machen sich physikalische Läusemittel den anatomischen Aufbau der Kopflaus zunutze. Denn die Substanzen dringen in das Atemwegssystem der Läuse ein und verstopfen ihre Atemöffnungen, wodurch die kleinen Blutsauger keinen Sauerstoff mehr bekommen und ersticken.

Das hat auch einen weiteren Vorteil: Während einige Läuse mittlerweile Resistenzen (Widerstandsfähigkeiten) gegenüber neurotoxischen Präparaten entwickelt haben oder sogar immun gegen diese geworden sind, ist die Bildung von Resistenzen bei physikalischen Behandlungsmethoden sehr unwahrscheinlich. Zudem gelten physikalische Läusemittel als sehr effektive und dabei gut verträgliche Methode gegen die Parasiten.

Eine zusätzliche Hilfe bei Läusen ist dabei der Läusekamm, mit dem sich die unliebsamen Kopfbewohner nicht nur entdecken, sondern nach der Therapie auch entfernen lassen. Zur alleinigen Behandlung wird der Läusekamm jedoch meist nicht empfohlen, da die Anwendung sehr zeitintensiv ist und ein sehr gewissenhaftes Auskämmen der Haare über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen (zweimal in der Woche) erfordert.

Läuse mit pflanzlicher Therapie bekämpfen

Einigen Hausmitteln wird ebenfalls eine Wirkung gegen Kopfläuse nachgesagt. Dazu gehören beispielsweise:

  • Essigwasser: Hierfür müssen normaler Haushaltsessig und warmes Wasser im Verhältnis 1:2 miteinander vermischt und in die Haare gegeben werden. Nach etwa 15 Minuten lassen sich die Haare mit einem Läusekamm behandeln. Das Essigwasser soll dabei helfen, festklebende Nissen leichter zu lösen.
  • Speiseöle: Pflanzliche Öle, wie Oliven-. Kokos- oder Sojaöl, werden ebenfalls häufig als Therapie bei Läusen empfohlen. Hierfür ist es notwendig, die Haare reichlich einzuölen und dann für mehrere Stunden – zum Beispiel über Nacht – in Frischhaltefolie plus Mütze oder eine Duschhaube einzupacken. Danach können die Haare ausgewaschen und Läuse mit einem Kamm entfernt werden.[i]
  • Ätherische Öle: Lavendel-, Eukalyptus- oder Geranienöl gelten als weitere natürliche Mittel gegen Kopfläuse. Es werden jeweils 5-10 Tropfen der einzelnen Öle miteinander vermengt und die Mischung dann ins Haar und die Kopfhaut einmassiert. Auch hier wird das Haar anschließend sorgfältig mit einem Nissenkamm durchkämmt.

Die Anwendungen gilt es mehrere Tage hintereinander (bis zu zwei Wochen) durchzuführen. Kinder dürfen erst wieder in Kindergarten oder Schule, wenn sie komplett frei von Läusen sind. Ein wissenschaftlicher Nachweis über die Wirksamkeit von Hausmitteln existiert bisher jedoch nicht. Seltene Erfolge beruhen vermutlich auf der sorgfältigen Entfernung von Läusen und Nissen mit dem Läusekamm und nicht auf abtötenden Eigenschaften der Hausmittel.

Zudem sollte berücksichtigt werden, dass bei der pflanzlichen Therapie von Läusen Nebenwirkungen auftreten können. So führen ätherische Öle bei manchen Menschen beispielsweise zu allergischen Reaktionen.

Achtung: Diese „Tipps“ sind keine Hilfe bei Läusen

Immer wieder machen einfache Tricks die Runde, mit denen man Kopfläusen angeblich ganz einfach den Garaus machen kann. Sehr intensives Haarewaschen mit einem herkömmlichen Shampoo oder heißes Föhnen können den Läusen jedoch nichts anhaben – den Haaren aber schon.

Besser ist es daher, sich bei einem Befall von einem Arzt und Apotheker über ein geeignetes Läusemittel zu informieren. Damit sind die kleinen Plagegeister meist schnell wieder beseitigt.

[i] Kerckhoff, Annete/ Werner, Sieglinde: Sanfte Hausmittel für Frauen: Für Heilung, Linderung und Wohlbefinden. Heidelberg: Springer-Verlag. 2018. S. 82.