Aber welche Heckenpflanzen sind tatsächlich ungiftig?
Wenn Sie in Ihrem Garten gerne Kinder und Haustiere haben, müssen Sie bei der Pflanzenauswahl besonders aufpassen. Hecken, die als Sicht- und Windschutz oder Einfriedung dienen, kommen meist nicht sehr häufig mit den Händen in Berührung und werden im Alltag kaum beachtet. Dabei gibt es unter den häufigsten gepflanzten Heckenarten auch welche, die toxikologisch zu beachten sind. Das Problem ist nicht immer sofort offensichtlich, denn Giftstoffe sitzen nicht immer in den Früchten. Vielmehr sind es häufig Gerbstoffe, die in der Rinde oder in den Blättern und Samen stecken. Oft wird das Problem erst nach unabsichtlichem Kontakt bemerkt.
Toxische Klassiker: Liguster, Eibe und Kirschlorbeer
Mit einer Hecke aus Liguster oder Eibe oder mit Kirschlorbeer haben Sie seit Jahrzehnten das Bild des deutschen Vorgarten geprägt und gleichzeitig toxikologisch bedenkliche Pflanzen gesetzt. Der Gemeine Liguster (Ligustrum vulgare) enthält Glykoside (Syringin, Ligustrin), von dem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet, dass bereits zehn bis zwanzig Beeren bei kleinen Kindern Erbrechen Durchfall und Kreislaufreaktionen bewirken können. Hunde und Katzen sind noch empfindlicher. Bei ihnen werden Glykoside langsamer abgebaut. Die Eibe (Taxus baccata) ist noch tödlicher. In praktisch allen Pflanzenteilen, mit Ausnahme des roten Samenmantels (Arillus), sind kardiotoxische Alkaloide (Taxine) enthalten. Bei Pferden und Hunden können schon wenige Gramm Nadeln zu akuten, lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen. Das Tox Info Suisse der Universität Zürich zählt Taxus zu den gefährlichsten Gartenpflanzen für Säugetiere überhaupt.
Das Zerreiben von Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) Blättern führt zur Abspaltung von Blausäure (Hydrocyanid), gesteuert durch das cyanogene Glykosid Prunasin. Kleinkinder, Katzen und Hunde sind bei hohem Bewuchs und engem Tierkontakt einem echten Vergiftungsrisiko ausgesetzt, dass oft überschätzt wird.
Wer geprüfte, sichere Alternativen sucht, kann dort mehr erfahren, wo ungiftige Heckenpflanzen nach Art, Wuchs und Verwendungszweck geordnet aufgeführt sind.
Ungiftige Alternativen: botanisch geprüft und alltagstauglich
Die Hainbuche (Carpinus betulus) gehört zu den unkritischsten Heckenpflanzen im mitteleuropäischen Raum. Sie ist ungiftig, schnittfest und behält ihr Laub als Marceszenz oft bis tief in den Winter. Mit einem mittleren Jahreszuwachs von 20 bis 40 cm lässt sich die Höhe gut steuern, ohne dass übermäßiger Pflegeaufwand entsteht.
Ein weiteres unbedenkliches Gehölz ist der Feldahorn (Acer campestre). Als einheimische Art leistet er einen guten ökologischen Dienst, insbesondere für Wildbienen und Kleinsäuger. Laut Einschätzung des Giftinformationszentrums Nord (GIZ-Nord) ist er toxikologisch unbedenklich für Kinder und gängige Haustiere.
Ebenfalls im Herbst mit Früchten zur Hand sind Kornelkirsche (Cornus mas) und Hundsrose (Rosa canina). Ihre Früchte enthalten viel Vitamin C und fanden Verwendung in der Volksmedizin. Beide Arten gelten laut GIZ-Nord als ungiftig. Für Pferde besteht hier einzuschränkende Wirkung: Große Mengen der Hagebutten lösen Magendarmbeschwerden aus, so dass Weidezäune aus Hundsrose bei Pferdehaltung kritisch überprüft werden sollten. Weißdorn (Crataegus monogyna) ist eine seit langem phytotherapeutisch angelegte Pflanze. Seine Früchte und Blüten sind im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) monographiert und gelten als herztonisierend. Er lässt sich als Hecke pflanzen und ist für Kinder und Haustiere unbedenklich, bietet aber einen dichten, dornenbesetzten Sichtschutz.
Auswahlkriterien jenseits der Giftigkeit
Ungiftigkeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Standortansprüche, Wuchsgeschwindigkeit und Schnittverträglichkeit entscheiden ganz maßgeblich darüber, ob eine Pflanze längerfristig zur Situation passt.
Hainbuche und Feldahorn sind standortflexibel und gedeihen der Sonne wie im Halbschatten. Weißdorn ist ein Flachwurzler und liebt volle Sonne und Trockene und ist damit für die Südseite und kalkhaltige Böden prädestiniert. Hundsrose verträgt nährstoffarme Böden und ist somit für die extensiv genutzten Randbereiche geeignet.
Für Haushalte mit Katzen ist zu beachten, dass die Clematisarten, mit denen die Hainbuchenhecke gelegentlich kombiniert wird, das Alkaloid Protoanemonin enthalten. Diese Pflanzen verursachen bei Beißbewegungen Schleimhautreizungen (BfR). Eine Pflanzendatenbank stellt die Toxikologische Informationsstelle der Universität Zürich frei zugänglich zur Verfügung.
Wer Hecken für Kita-Außenbereiche, Spielplätze oder Privatgärten pflanzen möchte, sollte die letztliche Artenentscheidung immer gegen eine aktuelle Giftpflanzenliste abgleichen. Die Giftpflanzenliste des BfR ist eine übersichtliche und gut strukturierte Zusammenstellung mit gradueller Einstufung nach gefährdendem Potential und Patientengruppe und gilt als gute Entscheidungsgrundlage für Planungsentscheidungen in privaten und öffentlichen Grünanlagen.

