Giftpflanzen im Familiengarten: So planen Sie sichere Spielbereiche

Ein Spielturm ist an einem Wochenende aufgebaut, eine Hecke wächst über viele Jahre. Sinnvoll ist es daher, zuerst den Pflanzenbestand zu prüfen und Spielgeräte danach auszurichten. Kleinkinder erkunden ihre Umgebung mit Händen und Mund; leuchtende Beeren wirken auf sie wie Naschwerk. Wegen ihres geringen Körpergewichts können bereits kleine Mengen giftiger Pflanzenteile Beschwerden auslösen.

Diese Gartenpflanzen gehören nicht in Spielnähe

 

Gehölze mit verlockenden Früchten

Der Goldregen bildet nach der Blüte bohnenähnliche Hülsen, die das Alkaloid Cytisin enthalten. Giftig sind auch die rosaroten Fruchtkapseln des Pfaffenhütchens und die roten Beeren des Seidelbasts, die Kinder mit ihrer Farbe anlocken. Die Eibe stellt einen Sonderfall dar: Ihr roter Samenmantel ist harmlos, Nadeln und zerbissene Samen sind es nicht.

Kübelpflanzen und Stauden

Engelstrompete und Oleander stehen oft auf der Terrasse und sind in allen Teilen giftig. Fingerhut und Maiglöckchen bilden herzwirksame Glykoside. Der Blaue Eisenhut gilt als giftigste Pflanze Europas; sein Gift Aconitin kann über die Haut aufgenommen werden.

Nicht jede Beere ist ein Notfall

Zur Einordnung: Laut Giftnotruf der Berliner Charité verursachen die Früchte von Kirschlorbeer, Liguster, Feuerdorn oder Vogelbeere erst in größeren Mengen leichte Symptome wie Bauchschmerzen oder Durchfall. Roden müssen Sie solche Arten nicht. Entscheidend ist eine feste Regel, die Kinder früh verinnerlichen: Gegessen wird nur, was Erwachsene freigegeben haben.

Spielgeräte mit Weitblick platzieren

Betrachten Sie den geplanten Standort aus der Augenhöhe eines Kleinkindes und achten Sie darauf, was von oben herabfällt. Einen Sandkasten stellen Sie besser nicht unter Goldregen oder Eibe, deren Hülsen und Scheinbeeren sonst ab dem Spätsommer im Sand landen; eine Abdeckung hält zusätzlich Laub und Katzen fern. Ein schattiger Platz unter alten Bäumen bietet sich an, doch Fundamente und Bodenanker können dort Wurzeln verletzen. Setzen Sie Verankerungen deshalb außerhalb der Kronentraufe.
Rund um Schaukel und Rutsche sollte ein Sicherheitsbereich frei von dornigen Sträuchern wie Berberitze und von harten Beeteinfassungen bleiben. Blühende Bodendecker wie Sand-Thymian ziehen Bienen an und passen nicht dorthin, wo barfuß gespielt wird.
Spieltürme, Schaukeln und Sandkästen führt etwa der niederländische Händler Toys & Garden, seit 2001 auf Outdoor-Spielzeug spezialisiert; sein Holzsortiment stammt nach eigenen Angaben überwiegend aus FSC-zertifizierten, also verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern.

Naschgehölze und Kinderbeete

Als Ersatz für giftige Gehölze eignen sich Kornelkirsche und Felsenbirne: Beide gelten als ungiftig, bieten Insekten im Frühjahr Nahrung und tragen im Sommer essbare Früchte. Johannisbeeren und Walderdbeeren ergänzen die Pflanzung am Rand der Spielfläche.
Besonders lehrreich ist ein eigenes Beet. Toys & Garden hat dafür kindgerechte Hochbeete im Programm, teils mit Gewächshausaufsatz, dazu Gartengeräte in Kindergröße. Radieschen, Pflücksalat und Kapuzinerkresse sorgen rasch für Erfolgserlebnisse. Nebenbei zeigt die Arbeit im Beet, dass auch Nutzpflanzen Tücken haben: Rohe Gartenbohnen enthalten den Eiweißstoff Phasin, der durch Kochen zerstört wird, und die grünen Beeren der Kartoffel ähneln kleinen Tomaten, sind jedoch solaninhaltig.

Was im Ernstfall zu tun ist

Bei Atemnot, Krämpfen oder Bewusstlosigkeit wählen Sie sofort die 112. Ansonsten gilt: Ruhe bewahren und Pflanzenreste aus dem Mund entfernen. Der Charité-Giftnotruf rät, dem Kind stilles Wasser, Tee oder Saft zu geben; Milch, Salzwasser und absichtlich ausgelöstes Erbrechen sind tabu. Rufen Sie dann den regionalen Giftnotruf an, dessen Nummer Sie am besten vorab im Telefon speichern. Für die Beratung zählt, welche Pflanze und welcher Teil verschluckt wurden. Als Bestimmungshilfe nennen die Berliner Fachleute Gärtner, Apotheken, Pflanzenbücher und Online-Angebote wie Botanikus. Muss das Kind zum Arzt, nehmen Sie einen ganzen Zweig mit, nicht nur ein einzelnes Blatt.